
Tobias Melle, Jahrgang 1966, findet seinen persönlichen Ausdruck in einem weiten Spektrum künstlerischer Aktivitäten.
Der Musiker Tobias Melle spielt seit seinem 14. Lebensjahr Cello, hat über viele Jahre in verschiedenen Orchestern mitgewirkt und war bei den meisten Werken, die er fotografisch bearbeitet hat, auch auf der Bühne dabei. Heute setzt er sein Instrument meist komödiantisch mit vier anderen Cellisten in der Cello Mafia ein.
Der Fotograf Tobias Melle sucht bevorzugt die Verbindung der Fotografie mit der Musik, die ihn zu seinem Projekt Sinfonie in Bildern anregt. Reisefreude und Naturverbundenheit vereinen sich bei ihm mit seinen künstlerischen Ambitionen, und er ist mit Kamera und Partitur im Gepäck oft monatelang unterwegs, um die richtigen Bilder zu finden. So hat er neben Mendelssohns Schottischer bisher Vivaldis Vier Jahreszeiten, Dvoraks Neue Welt, Strauss’ Alpensinfonie und Tschaikowskys 5. Sinfonie visuell umgesetzt. Aufführungen seiner Sinfonien in Bildern finden mit namhaften Orchestern im In- und Ausland statt.
Ausstellungen, Buch- und DVD-Veröffentlichungen runden sein Betätigungsfeld ab.
Tobias Melle lebt in München und ist im Internet unter www.tobiasmelle.de zu finden.
Die Sinfonien in Bildern von Tobias Melle
Eine Sinfonie in Bildern – was ist das eigentlich? Technisch gesehen ist es ein Konzert, bei dem Bilder gezeigt werden. In fließenden Überblendungen oder mit harten Schnitten werden die Bilder auf eine Großleinwand hinter dem Orchester projiziert. Aber als Ereignis ist dies natürlich wesentlich mehr. Der Saal ist verdunkelt. Kleine Lichter brennen an den Instrumentenpulten. Die Musik setzt ein, über dem Orchester erstrahlen die Bilder. Töne erreichen die Ohren, Eindrücke die Augen. Die Sinne werden gefüllt. Der Zuschauhörer wird entführt auf eine sinnliche Reise. Die Musik wird reicher, spürbarer, inniger hörbar durch die Bilder, die dem inneren Tanz der Instrumente und Stimmen folgen. Und die Bilder werden fühlbarer, tiefer und intensiver durch die Musik, die sie durchdringt.
Einem „erfahrenen“ Konzertbesucher erscheint eine Sinfonie in Bildern zunächst möglicherweise als irritierende Idee. Durch die Bilder kommt zur gehörten Musik eine Interpretation hinzu, die durch einen zweiten Sinn sehr zwingend vermittelt wird. So sind die Bilder zuallererst eine persönliche Annäherung an die Musik, die persönliche Annäherung des Fotografen und Musikers Tobias Melle. In der Aufführung sind sie eine Einladung an das Publikum zur Annäherung an die Musik. Eine wirksame Einladung. Und so wird eine Sinfonie in Bildern den Konzertbesucher mehr als nur einladen: sie wird ihn mitreißen.
Die Musik wird durch die Bilder greifbarer, für viele erlebbarer. Das ist der Reiz der Arbeiten von Tobias Melle. Dabei wirken die Bilder aber nicht illustrierend, sie legen sich nicht als Effekt über die Musik. Ohne die Musik wären viele Bilder, Übergänge, Themen und Abfolgen unbegreiflich, ohne erkennbaren inneren Sinn. Mit der Musik aber wird die Folge der Bilder zu einem lebendigen Ganzen.
Tobias Melle hat dieses ergänzende Prinzip von Bild und Musik Ende der 80er Jahre eher zufällig entwickelt. Für einen Lichtbild-vortrag über eine Fahrradreise in den Südwesten der Vereinigten Staaten hatte er einige Ausschnitte aus Stücken amerikanischer Komponisten als Begleitmusik ausgewählt, die als Ergänzung zu seinem gesprochenen Vortrag vorgesehen waren. Bei der Auswahl geeigneter Bilder, und besonders bei der manuell gesteuerten, vom Takt der Musik getriebenen Projektion, wurde ihm schnell klar, dass hier etwas entstehen kann, das als Ganzes mehr ist als die Summe seiner Teile.
Und so entwickelte er dieses künstlerische Konzept in den folgenden Jahren konsequent weiter. Am Anfang steht dabei die Musik, aus der sich ein Reiseziel oder ein Sujet ergibt. Die Arbeit vor Ort findet dann schon mit der Musik im Ohr und im Herzen statt. Der eigentliche Prozess, bei dem Ton und Bild verschmelzen, erfolgt danach – aus einer großen Menge von fotografischem Material gestaltet Tobias Melle seine visuelle Spur zur Musik.
Die vielen erfolgreichen Aufführungen der vergangenen Jahre und die begeisterten Reaktionen des Publikums sind die schönste Bestätigung für diese Arbeit – so werden Sinfonien in Bildern auch in Zukunft immer wieder mit großem Orchester in den Konzertsälen zu hörensehen sein.
(Boris Baginski)