Antonio Vivaldi

Die Vier Jahreszeiten in Bildern von Tobias Melle

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Biografie Pressetext

Antonio Vivaldi


Antonio Vivaldi: Le Quattro Stagioni op. 8 Nr. 1-4
„Der freudenreiche Frühling ist ins Land gezogen, / Mit fröhlichem Gesang heißen die Vögel ihn / Willkommen, und bei linden Lüften plätschern / Die Bäche lieblich dahin.“
(Antonio Vivaldi, 1725)

Die Vier Jahreszeiten fallen aus der Reihe der Sinfonien in Bildern etwas heraus. Zunächst einmal ist Antonio Vivaldis Werk keine Sinfonie, sondern ein Violinkonzert-Zyklus für ein Streichorchester, entstanden im Barock, vor der Zeit der Sinfonieorchester. Außerdem ist durch das Werk kein Bezug zu einem Ort oder einer Landschaft im Besonderen hergestellt. Die Vier Jahreszeiten sind zuallererst eine Reise durch die Zeit, durch den Jahreskreis und seinen Wandel.
Vivaldis Musik ist facettenreich, er versucht, Naturgeräusche, Wetterstimmungen und das Leben der Menschen und Tiere in den Jahreszeiten musikalisch zu „malen“. Um den Musikern und auch den Hörern eine Hinführung an seine Bilder in der Musik zu geben, hat Vivaldi der Partitur erklärende Texte beigefügt. In Sonetten beschreibt er seine Motive und Themen zu Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Es sind Episoden im Jahresverlauf der Landbevölkerung, dargestellt in barocker Idealisierung der Umstände. So lesen wir von Hirten, Nymphen und Jägern, von Unwetter, Tanz und Festgelagen. An zahlreichen Stellen in der Partitur hat Vivaldi zusätzlich durch Anmerkungen direkte Bezüge zu den Sonetten hergestellt.
Damit hat der Komponist eine Bilderwelt um seine Musik angeordnet, die seinen zeitgenössischen Vorstellungen von Idylle, Naturgewalt und Jahreslauf der Menschen entsprach.
Die beschriebenen Szenen und Eindrücke sind, selbst wenn sie nicht nur in der Vorstellungswelt des Komponisten bestanden, heute sicher nicht mehr auffindbar. Für Tobias Melle bestand damit die Herausforderung, zu passenden Motiven aus der heutigen Zeit zu kommen, denn es galt, die barocke Anmutung des Musikstücks zu erhalten, und nicht die Bildwelt Vivaldis explizit nachzugestalten. Er musste also Orte, Ereignisse und Landschaften finden, die heute und jetzt den Geist der Musik Vivaldis spüren lassen. Bilder, die die Jahreszeiten hier und heute miterlebbar machen und eine Brücke schlagen zu einer bald 300 Jahre alten Musik.
Also machte sich Tobias Melle frei von der Einengung der Bilder Vivaldis, die dieser als Text hinterlassen hat, und drang ein in die Bilder, die der Komponist in der Musik geschaffen hat. Mit den Klängen vor Augen erlebte er die Jahreszeiten in der Gegenwart seiner bayerischen Heimat mit. Beispielsweise ist das Oktoberfest das Fest, das den Münchner Herbst prägt, und der Rausch der Sinne und Farben ist ein Volksfestmotiv, das eine von Vivaldi beschriebene Stimmung vortrefflich nachempfinden lässt. Im Laufe von etwas mehr als einem Jahr entstanden die Fotografien für diese Sinfonie in Bildern ausschließlich in Bayern, in dem großen Dreieck, das von München, dem Berchtesgadener Land und dem Allgäu aufgespannt wird.
Dabei hat Tobias Melle neben den Landschaften und ihrem jahreszeitlichen Wandel auch ganz besonders nach den lebendigen Traditionen auf dem Land gesucht – und viele davon gefunden und im Bild festgehalten. Noch immer gibt es beispielsweise Pfingstprozessionen, den Michaelis-Ritt und das Schalenggen-Schlittenrennen.
So ermöglicht uns Tobias Melle mit seinen Bildern einen Blick im Sinne Vivaldis: auf ein lebendiges, sinnesfrohes und zeitlos idealisiertes barockes Bayern. Er öffnet uns die Augen für all die wunderbaren Eindrücke, die so nahe sind, und lässt uns mit offeneren Sinnen durchs Jahr kreisen. Und die Bilder öffnen uns die Ohren für eine herrliche Musik, die wir, oft gehört, zu kennen glaubten und in der es noch so viel reichere Fülle zu entdecken gibt.
(Boris Baginski)

Antonio Vivaldi
Die Vier Jahreszeiten in Bildern