Felix Mendelssohn

Symphonie Nr. 3 „Schottische“ & Hebriden-Ouvertüre in Bildern von Tobias Melle

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AD_Schottische © Tobias Melle
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Biografie Pressetext

Felix Mendelssohn


Tournee 5. bis 7. Mai 2013
Stuttgarter Philharmoniker

"Der Kapelle daneben fehlt nun das Dach, Gras und Epheu wachsen viel darin, und am zerbrochenen Altar wurde Maria zur Königin von Schottland gekrönt. Es ist alles zerbrochen, morsch und der heitere Himmel scheint hinein. Ich glaube, ich habe heut da den Anfang meiner Schottischen Symphonie gefunden." (Felix Mendelssohn Bartholdy, 1829)
Getrieben von Fernweh und der zeitgenössischen Sehnsucht nach dem Norden, reiste Felix Mendelssohn Bartholdy 1829, gerade 20 Jahre alt, nach Schottland. Von dort brachte er erste konkrete Motive für die Schottische Sinfonie und die Hebriden-Ouvertüre mit. Diese vollendete er in den kommenden Jahren – die Sinfonie wurde erst 1842 uraufgeführt – zu großen Orchesterwerken, die auf wunderbare Weise die Stimmungen und Eindrücke des Landes und der Inseln im Nordatlantik wiedergeben.
Die romantische Reiselust, das Fernweh, die Suche nach anderen Welten ist nicht nur eine Erscheinung einer kunstgeschichtlichen Epoche, sondern für viele Künstler auch eine Sehnsucht in der Zeit des Erwachsenwerdens. So hatte auch Tobias Melle mit 20 Jahren zum ersten Mal Schottland bereist, was sein Sehnen nach dieser Landschaft eher nährte als befriedigte. Als Cellist erlebte er dann die überwältigende Musik Mendelssohns und spürte den Bezug zwischen den Tönen und dem visuellen Erleben. Er begann ganz konkret mit der Gestaltung seiner ersten Sinfonie in Bildern, zehn Minuten Laufzeit schaffte er, von einem nebelverhangenem Auftakt hinein ins Versprechen eines großen Landschaftserlebnisses.
Doch die Arbeit stockte, das vorhandene Material war zu wenig reichhaltig, um die Tiefe der Musik zu tragen, die sich Tobias Melle bei zunehmend intensiveren Studien immer mehr eröffnete. Auf einer weiteren Schottlandreise hörte er von der „Äußersten Hebride“, der Insel St Kilda, 200 km westlich des schottischen Festlands im offenen Atlantik gelegen. Schon wenige Monate später erreichte er diesen schwer zugänglichen Ort, eine von den Menschen aufgegebene Insel von wenigen Kilometern Größe. Grüne Hänge und steile Klippen bieten unzähligen Seevögeln Nistplätze, bis zu 10.000 Jahre zurück reichen die Spuren menschlicher Besiedlung. Für Melle wurde St Kilda zu „seinen“ Hebriden, seinem Fernwehhafen.
Nach weiteren Jahren des Reisens in Schottland – Dvoraks Neue Welt war bereits vollendet – konnte Tobias Melle schließlich den Anspruch erfüllen, den Mendelssohns Sinfonie in ihm geweckt hatte: ein Bild-Erleben der Gegenwart und Geschichte aus heutiger Sicht mit der Musik von damals verweben.
Die Einleitung des ersten Satzes blieb acht Jahre nach Beginn der Arbeiten genau so, wie sie ursprünglich vorgesehen war. Insgesamt schwingt der Satz zwischen Melancholie und Freude, zwischen Nebel und Licht, und spannt so den Rahmen der Sinfonie. Der zweite Satz ist vorbehaltlos fröhlich, aus ihm strahlt die Lebensfreude der Menschen. Der dritte Satz verbindet dokumentarische und symbolische Bilderfolgen, die die dünne Grenzlinie zwischen Leben und Tod, zwischen Aufblühen und Vergehen, zwischen Erbauen und Zerstörung aufzeigen. Der vierte Satz schließlich führt uns zum Angelpunkt der Sinfonie zurück, der „ewigen Natur“ und ihrer Erhabenheit. Ausgehend vom zivilisierten Schottland der Gegenwart reisen wir zurück durch die Zeit der Industrialisierung, des Mittelalters, der Steinzeit, um im Finale ein majestätisches Fest der Natur zu feiern: Der Kreis ist jetzt geschlossen – doch die Sehnsucht bleibt.
(Boris Baginski)

Felix Mendelssohn
Symphonie Nr. 3 „Schottische“ & Hebriden-Ouvertüre in Bildern