Peter I. Tschaikowsky

Symphonie Nr. 5 in Bildern aus Russland von Tobias Melle

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Biografie Pressetext

Peter I. Tschaikowsky


„Wie soll man die unklaren Gefühle beschreiben, die einen bewegen, wenn man ein Instrumentalwerk ohne ein bestimmtes Sujet komponiert? Das ist ein rein lyrischer Vorgang, eine musikalische Beichte der Seele, die sich in Tönen ergießt, ähnlich wie sich ein Dichter in Versen ausspricht.“
(Peter I. Tschaikowsky, 1878)

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat der Münchner Fotograf und Cellist Tobias Melle fünf Sinfonien in Bildern geschaffen. Diese ungewöhnliche Verbindung zweier künstlerischer Leidenschaften, von sinfonischem Konzert mit großen Bildeindrücken, hat ihn bei einem breiten Publikum bekannt und erfolgreich gemacht.
Die heute gezeigte Arbeit zur Fünften Sinfonie von Tschaikowsky ist auch Tobias Melles fünfte Bearbeitung eines sinfonischen Werks, und für diese Sinfonie hat er Neuland betreten. Seine bisherigen Arbeiten wurden stark vom Namen der Werke („Aus der Neuen Welt“) oder gar durch ein vorgegebenes Programm („Eine Alpensinfonie“) geprägt. Mit der Auswahl von Tschaikowskys Fünfter Sinfonie ergab sich eine vollkommen neue künstlerische Aufgabenstellung. Dieses Werk spricht mit tiefer Emotionalität, es wird zusammengehalten von einem Schicksalsmotiv und angetrieben von der Hoffnung, die Hoffnungslosigkeit überwinden zu können. Die Suche nach einem fotografischen Weg in diese Gefühlswelt führte Tobias Melle nach Russland hinein, und diese Reise musste weitaus tiefer und weiter führen, als die oberflächlichen touristischen Pfade es möglich machen.
Persönliche Freundschaften und die sprichwörtliche russische Gastfreundschaft öffneten ihm die Türen zu diesem nahen und doch so fernen Land. Seine weitreichenden Erkundungen unternahm Tobias Melle mit dem Auto, mit der Eisenbahn, und auch – wie schon bei seinen früheren Projekten – für viele tausend Kilometer mit dem Fahrrad. Immer war es dabei sein Bestreben, nah heran zu kommen an Land und Leute.
Nach drei Jahren des Reisens, immer mit Tschaikowskys Sinfonie im Ohr, im Herzen und als Partitur im Gepäck, galt es, den musikalischen Bogen mit ausgewählten Bildern zu begleiten, ihn mit den Augen des Fotografen erlebbar werden zu lassen, die erlebten und fotografierten Eindrücke mit der Musik zu einer neuen Reise nach Russland zu vereinen.
Und das gelingt. Vom ersten Bild an nimmt einen die Fünfte Sinfonie gefangen. Zu Beginn des ersten Satzes sehen wir ein verlorenes Land, zerstörte Zivilisation. Das epochale Scheitern eines doch einst besser gemeinten Gesellschaftsentwurfs schreit uns an. Es öffnet sich ein Blick auf das bewohnte Russland von heute, einem maroden Land voller abblätternder Großartigkeit, zaristisch-stalinistischer Wucht, infrastruktureller Desintegration und wenig Hoffnung. Der zweite Satz scheint versöhnlicher. Der Blick schweift über eine episch breite Landschaft, gehalten von einer alten, sicheren Religion, die sich in ihren prächtigen Kirchen zeigt. Das ist das Russland einer ersehnten Wirklichkeit, das unzerstörbare große alte Reich. Es schlägt ein starkes Herz, es gibt Hoffnung – doch auch diese ist verletzlich. Der dritte Satz ist ebenso verspielt wie oberflächlich. Glänzend und prächtig sind die Oberflächen der aufs feinste renovierten Zarenbauten, doch wenn es auch das Bernsteinzimmer ist, das hier so strahlt, so spürt man doch, daß es nur schöner Schein ist:Potemkins großes Dorf für Pauschalreisende.
Und dann der vierte Satz. Bis hierher haben wir schon viele Facetten der russischen Wirklichkeit gesehen, doch erst jetzt werden wir Russland und die Musik von Tschaikowsky wirklich fühlen. Es geht um den Kern der Sache, das Wesentliche wird enthüllt – in einem fulminanten Bildersturm durch die Zeit und das Land wird das Schicksal und die Verzweifelung dieser Menschen deutlich, ausgesaugt im Zarenreich, aufgeputscht unter Hammer und Sichel, jetzt überdreht im Kapitalismus, und ein ganzes Volk bezahlt einen zu hohen Preis. Und wo alle Hoffnung vergeblich erscheint, und wir sie traurig fahren lassen, da reicht uns das Schicksal die Hand zur Versöhnung. Wir begegnen den Menschen dieses Landes, ihrer Lebendigkeit, ihrem Lachen, ihrer Liebe. Es gibt so viel Hoffnung. Wir sehen Russland ganz tief in die Augen – und in sein großes, großartiges Herz.
(Boris Baginski)

Peter I. Tschaikowsky
Symphonie Nr. 5 in Bildern aus Russland