Richard Strauss

Eine Alpensinfonie in Bildern von Tobias Melle

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AD_Alpensinfonie © Tobias Melle
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Biografie Pressetext

Richard Strauss


„Ich will meine Sinfonie den Antichrist nennen, als da ist: Sittliche Reinigung aus eigener Kraft, Befreiung durch die Arbeit, Anbetung der ewigen, herrlichen Natur.“
(Richard Strauss, 1911)

Die Alpensinfonie führt uns auf eine Bergwanderung. Richard Strauss’ sinfonische Dichtung ist durch 22 programmatische Titel gegliedert, vom Aufbruch im Morgengrauen, hinauf durch Wälder und Almen und über Gletscher auf den Gipfel, im Unwetter wieder hinab, bis zum Versinken des Tages. Die Musik ist so reich, detailliert und differenziert, dass die Partitur mehr als 120 Musiker vorschreibt, darunter eine Windmaschine, eine Donnermaschine, Glockenspiel und Herdengeläute.
Die Klänge sind daher bereits nahezu bildhaft und Tobias Melle hat sich selbst die Aufgabe gestellt, die durch die Musik heraufbeschworenen Ansichten einzufangen, dabei die Tiefe und Größe der Musik zu bewahren und wohlmöglich zu erhöhen, und nicht der Gefahr zu erliegen, nur reduzierend zu illustrieren. Das gelingt, weil sich Tobias Melle so sehr auf die Musik konzentriert und auf das, was sie zu erzählen hat: Ein langer, großer Tag, aus der Nacht heraus wieder in die Nacht, eine Bergregion, einmal hinauf und wieder hinunter. Nicht mehr als das, aber genau das.
Über drei Jahre hinweg hat Tobias Melle die Aufnahmen in den Berchtesgadener Alpen angefertigt. Dieses in weiten Teilen als Nationalpark geschützte Gebiet bietet eine wunderschöne, variantenreiche Landschaft, von lieblichen Tälern bis ins felsige Hochgebirge. Im Laufe der Zeit ist der Fotograf mit dieser Landschaft gut bekannt und vertraut geworden, er wurde ein Freund der Gegend und der wenigen Menschen dort. Alle Motive sind selbst erwandert, alle Wetterlagen und Landschaften sind selbst erlebt, und jeder Höhenmeter ist selbst erstiegen worden.
Das einleitende Zitat ist eine viel diskutierte Kalendernotiz von Richard Strauss, aufgeschrieben vier Jahre vor der Uraufführung der Alpensinfonie. Die Begrifflichkeit ist aus der Zeit heraus zu verstehen. Der Terminus „Antichrist“ ist in dieser Form von Friedrich Nietzsche eingeführt worden, nicht als „Teufel“, sondern als aufgeklärter, bewusster Verzicht auf traditionelle, dogmatische Religiosität zugunsten einer selbst erfahrenen göttlichen Natur.
So kann man auch heute dieses Zitat deuten, verstehen und sogar nacherleben. Denn das ist es doch, was eine Bergbesteigung ausmacht: Die Anstrengung des Anstiegs, die Ruhe, Stille, Würde und Erhabenheit der wilden, unberührten Natur, mit all ihren Gefahren – das ermöglicht eine Selbsterfahrung, ein großes Erlebnis, ein Sich-Einordnen in die Dimensionen der Natur und auch eine „Reinigung“. Heute scheint diese Geisteshaltung fast altmodisch, angesichts von Funsport und Erlebnisparks – aber ist diese Form des Erlebens nicht eigentlich die großartigere und im besten Sinne auch die wertvollere?
Genau dieses Erlebnis ist es, das die Alpensinfonie in Bildern dem Zuschauer verschafft, das Tobias Melle erlebt und das Richard Strauss vertont hat. Der beinahe grafische, metaphysische Beginn aus dem Dunkel heraus ist ein großes Versprechen. Wir beginnen im Tal und wollen hinauf. Es drängt nach oben, fort von der Zivilisation, in die große Weite, auf hohe Gipfel. Die Musik trägt uns und die Bilder reißen uns fort, noch über den Gipfel hinaus, kaum kann man es mit Augen noch fassen. Und dann verdunkelt sich die Sonne, mit einem Gewitter schlägt die Natur zurück und alle Bedrohlichkeit kommt auch aus den Bildern. Dann wollen wir zurück, in Sicherheit. Die ersten Spuren der Zivilisation bringen endlich die Geborgenheit zurück, nach den vielleicht übermütigen Gefahren des Gipfelsturms.
So kehrt am Ende Entspannung ein, der Kreis schließt sich, wieder in beinahe grafischer Auflösung. Doch wir haben viel erlebt auf dem Weg hinauf und wieder hinunter. Wie auf einer großen Wanderung – und das ist in diesem Falle weit mehr als eine Metapher.
(Boris Baginski)

Richard Strauss
Eine Alpensinfonie in Bildern von Tobias Melle