Antonin Dvorák
Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ in Bildern von Tobias Melle

Antonin Dvorak: Sinfonie Nr. 9 e-moll op. 95
„Es scheint mir, dass der amerikanische Boden wohltuend auf meinen Sinn einwirken wird.“
(Antonin Dvorak, 1893)
Die Sinfonie Aus der Neuen Welt entstand 1893 in New York, ein Jahr, nachdem der Tscheche Antonin Dvorak in Amerika eingetroffen war. Hier leitete er das neu gegründete National Conservatory und die Erwartungen an ihn waren hoch, eine eigenständig „amerikanische“ Musik zu begründen. Der Triumph seiner Neuen Welt übertraf all diese Erwartungen bei weitem. Dvorak verwob charakteristische, traditionell amerikanische Musikeindrücke und böhmische Kompositionsweise. Es gelang ihm im besten amerikanischen Sinne die Verschmelzung kultureller Einflüsse zu mitreißender sinfonischer Größe und er schuf so eines der populärsten Orchesterwerke aller Zeiten.
Für Tobias Melle ist die Landschaft im Südwesten der USA seit seiner ersten Reise dorthin eine der großartigsten Weltengegenden, unerreicht in Vielfalt, Weite und Wildheit. Die tiefe Erdverbundenheit, die er hier spürte, das uneingeschränkte Freiheitsgefühl, das ihn durchdrang, all diese Emotionen in ihm verlangten danach, einen Ausdruck zu finden und künstlerisch verarbeitet zu werden. Dies trieb ihn in der Entwicklung seiner Sinfonien in Bildern voran. Und mit Dvoraks Musik ergab sich für ihn eine hervorragende Möglichkeit.
Der fotografischen Arbeit an der Neuen Welt ging intensive Arbeit mit der Musik und der Partitur Dvoraks voraus. Dabei gelangte Tobias Melle zu visuellen Assoziationsketten, die eine stimmige bild-musikalische Interpretation der Sinfonie darstellen. Im ersten Satz kommen wir an, wir erreichen den Kontinent von Osten her, erkunden die grünen, üppigen, fruchtbaren Landschaften bis hin zu den Rocky Mountains. Der zweite Satz zeigt, was vergangen ist, die Ruinen der Indianer, die nicht mehr da sind, aber auch die lebendigen Traditionen. Der dritte Satz schlägt im Puls des modernen Amerikas, mit seinen Menschen und den Bauten aus Stahl, Glas und Beton. Im vierten Satz schließlich das Erlebnis der essentiellen Landschaft des Westens – sandverwehte Wüsten, bizarre Canyons und übermütige Felsformationen.
Damit durchdringt Tobias Melle auf zweifache Weise Amerika: Der Rahmen ist gesteckt durch die Bewegung von Ost nach West, entsprechend der Richtung der historischen Erschließung. Parallel dazu zeigt sich die zeitliche Entwicklung Amerikas und seiner Menschen, von der Vergangenheit in die Gegenwart.
Um diese vielfältigen Blickwinkel fotografisch erfassen zu können, waren zahlreiche und lange Reisen notwendig. Und seine Art zu reisen machten die Verschmelzung von Musik und Bild erst wirklich möglich. Wo immer es ging, reiste er mit dem Fahrrad und legte so insgesamt mehr als 19.000 Kilometer zurück. Die abgelegensten Ziele erschloss er sich zu Fuß. In dieser intensiven, sinnlichen Annäherung entstanden Bilder, in denen das vom Fotografen Gefühlte sichtbar wird. Der Zuschauer wird zum Begleiter einer lebendigen Reise durch Land und Zeit.
Die Neue Welt ist Tobias Melles erste Sinfonie in Bildern. Würde diese Sinfonie in Bildern jetzt neu entstehen, dann sähe sie sicherlich anders aus. Doch mehr als zwölf Jahre nach ihrer Premiere hat sie nichts von ihrer Kraft und Intensität eingebüßt. Damit ist die Neue Welt, was sie ist, in den Bildern und in der Musik: eine große Reise der Sinne, eine begeisterte Hingabe an die Natur, ein mitreißendes Abenteuer. Und wenn ganz am Schluss die Sonne im Pazifik versinkt, sind wir in einer neuen Welt angekommen.
(Boris Baginski)
Antonin Dvorák
Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ in Bildern



