Die Historie von MünchenMusik

1850

Die Leidenschaft für Musik ist Andreas Schessl ohne Zweifel in die Wiege gelegt: Vor etwa 170 Jahren nimmt die Geschichte der Musikerfamilie ihren Anfang in München – mit Andreas Schessl und seiner Frau Dea hat sich bereits die vierte Generation ganz der Klassik verschrieben. Der musikalische Ursprung der Familien-
geschichte reicht zurück bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts.

Anfang der 1870er Jahre, zu Lebzeiten des Urgroßvaters – das Staatstheater am Gärtnerplatz wird durch König Ludwig II. gerade zur bayerischen Hofbühne erklärt und Richard Wagner befindet sich in den letzten Zügen seiner Komposition des Ring des Nibelungen" – geht Martin Schessl (*1853 | † unbekannt) als junger Mann nach München, um dort als Musiker beruflich tätig zu werden. 

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Martin Schessl um 1888
Martin Schessl, um 1885
1880

Seine Leidenschaft gibt er an seine beiden Söhne weiter. Michael schlägt eine klassische Musikerlaufbahn ein: In der Amtszeit des bedeutenden Dirigenten Bruno Walter ist er als Pauker zwischen 1913 und 1921 Mitglied des im Nationaltheater beheimateten Bayerischen Staatsorchesters. Daneben bildet er als Professor an der Königlichen Akademie der Tonkunst, der heutigen Musikhochschule, den Nachwuchs aus.

Sein älterer Bruder Johann Nepomuk (*1882 | †1950), gelernter Musikmeister und Komponist, findet eine Anstellung beim legendären Circus Krone, wo er als Leiter des rund 40-köpfigen Circus-Orchesters Teil der 1919 auf dem Münchner Marsfeld beginnenden Erfolgsgeschichte wird.

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Michael Schessl
Michael Schessl, königlich bayrischer Hofpauker
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Johann Nepomuk Schessl
Johann Nepomuk Schessl, 1912
1930

Auch Johann Nepomuks vier Kinder entscheiden sich beruflich allesamt für die Musik: Die erstgeborene Käthe studiert unter anderem bei dem legendären Klavierpädagogen Edwin Fischer und wird Pianistin. Den ältesten Sohn, Hans, zieht es nach Berlin – im heutigen Konzerthausorchester bekleidet er die Position des Konzertmeisters.

Ludwig und Franz Schessl (*1929) bleiben München treu und finden ihren Platz in den Reihen des gerade von Eugen Jochum neu gegründeten Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks – Ludwig als Schlagzeuger, Franz als Solo-Bratscher. Neben seiner 42-jährigen Tätigkeit als Orchestermusiker begeistert sich Franz Schessl vor allem für die Kammermusik. Im Jahr 1975 wird er als Bratschist in das Koeckert-Quartett, eines der international führenden deutschen Streichquartette, aufgenommen. Diesem gehört er bis zu dessen Auflösung im Jahr 1992 an.

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Hans Schessl
Hans Schessl, Städtische Bühnen Berlin 1937
1960

Die Musik zum Beruf zu machen wird auch für die folgende Generation zum erklärten Ziel: Schon von Kindesbeinen an führt Franz Schessl seine beiden Söhne Andreas und Mathias an den Kosmos Musik heran. Ganz wie der Vater entdeckt Mathias die Viola für sich. Nach Stationen bei der Camerata Salzburg und dem Tonhalle Orchester Zürich führt ihn sein Weg schließlich zurück in seine Heimatstadt, wo er seit 1998 Mitglied des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks ist.

Dem älteren Bruder, Andreas Schessl (*1961), hat es der Klang des Horns angetan. Schon während seiner Schulzeit beginnt er mit dem Instrumentalstudium am Richard-Strauss-Konservatorium. Neben dem Wunsch, Berufsmusiker zu werden, reift in ihm der Traum vom Unternehmertum. Ein zweites Studium im Fach Betriebswirtschaft ermöglicht es Andreas Schessl schließlich, seine Leidenschaft für Musik mit der unternehmerischen Tätigkeit zu verbinden. Bereits während seiner Zeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München veranstaltet er seine ersten Konzerte, 1984 präsentiert er erstmals eine Konzertreihe im Schloss Blutenburg und startet so in eine aufregende Zeit als Veranstalter.

Seit inzwischen 37 Jahren führt Andreas Schessl gemeinsam mit seiner Frau Dea die Tradition des Musikmachens und -erlebens fort – mit jährlich etwa 500 Konzerten in München, aber auch bundesweit sowie im deutschsprachigen Ausland. Der gemeinsame Sohn Nepomuk Schessl (*1989), seit 2018 mit im Unternehmen tätig, knüpft nun in fünfter Generation an die Familiengeschichte an.

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Franz Schessl Bratsche Viola
Franz Schessl, 1974