Andrea Cicalese über Tschaikowkys Violinkonzert, Musik als Sprache und musikalische Partnerschaften

Sein Weg vom Mathe-Abitur ins Prinzregententheater

Mit renommierten Orchestern und auf geschichtsträchtigen Bühnen hat sich Andrea Cicalese als einer der gefragtesten Jungstars der Klassikszene in so kurzer Zeit etabliert, dass er seinem Status als Nachwuchstalent bereits entwachsen scheint. Im Prinzregententheater präsentiert der junge Geiger nun gemeinsam mit dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz unter der Leitung seines Chefdirigenten Rubén Dubrovsky das Violinkonzert von Peter I. Tschaikowsky. Im Interview erzählt er, wie er sein Mathe-Abitur aufs Spiel setzte, um Martha Argerich zu treffen, er erklärt die Besonderheit seiner Guarneri-Geige und schwärmt von seiner besonderen musikalischen Partnerschaft mit dem Pianisten Filippo Gorini. 

youtube

An dieser Stelle wird ein Inhalt eines externen Anbieters wiedergegeben. Dabei werden personenbezogene Daten wie z.B. Ihre IP-Adresse an den Anbieter übermittelt. Der externe Anbieter kann diese auch dazu verwenden, Ihr Nutzungsverhalten mithilfe von Cookies oder anderen Tracking-Technologien zu Marktforschungs- und Marketingzwecken zu analysieren.

Die Übermittlung Ihrer Daten an den externen Anbieter wird so lange verhindert, bis Sie aktiv auf diesen Hinweis klicken. Technisch gesehen wird der Inhalt erst nach dem Klick eingebunden.

„Das ist eine Geige, die mich ein bisschen zu dem Geiger gemacht hat, der ich heute bin.“

MünchenMusik: Würdest du München als deine Heimat bezeichnen?

Andrea Cicalese: Ich würde sagen, eine zweite Heimat für mich. Ich fühle mich im Herzen sehr neapolitanisch, aber von den akademischen Aspekten und musikalischen Aspekten bin ich definitiv Münchner.

MünchenMusik: Was war der prägendste Moment deiner Schulzeit?

Andrea Cicalese: Ich habe hier in München am Pestalozzi-Gymnasium Abitur gemacht, am Tag des Mathe-Abis wollte ich ein Konzert von Martha Argerich besuchen. Damit ich rechtzeitig zum Konzert komme, habe ich mein Mathe-Abitur viel früher abgebrochen. Wir hatten fünf Stunden Zeit, und ich bin nach ein, zwei Stunden gegangen. Die Fragen, die ich gelernt hatte, waren genau am Anfang. Ich habe fast das gesamte Abitur nicht bearbeitet, und dann aber doch genug Punkte bekommen, damit ich durchkomme.

MünchenMusik: Welche Beziehung hast du zu deiner Guarneri-Geige?

Andrea Cicalese: Ich spiele diese Geige seit November 2023. Das ist eine Geige, die mich ein bisschen zu dem Geiger gemacht hat, der ich heute bin. Sie hat so viele Farben, so viele Facetten, die man von der Geige explorieren kann, dass ich viele Ausdrucksmöglichkeiten bei mir selbst herausgefunden habe, die ich vorher nicht kannte. Ich vergleiche die Geige oft mit dem deutschen Vokabular. Es ist, als würde man eine Spritze bekommen mit allen deutschen Wörtern, die es gibt. Wenn man weiß, welche Wörter man wann benutzen will, dann kann man den Punkt, den man machen will, viel leichter ausdrücken, weil man alle Wörter hat. Und diese Geige hat alle Farben. Jetzt geht es darum, die künstlerische Entscheidung zu treffen, wie ich sie benutze.

Cicalese Spritze

„Die Sonate von César Franck ist wahrscheinlich eines dieser Wunder der Zivilisation.“

MünchenMusik: Was empfindest du bei Tschaikowskys Violinkonzert?

Andrea Cicalese: Es ist ein Werk, das alles hat, von Ballet bis zu höchster Melancholie und russischer Seele. Es gab eine Zeit, als ich neun oder zehn war, an dem ich fast jeden Tag Tschaikowskys Violinkonzert gehört habe. Ich weiß noch, ich habe mit meinen Eltern geredet: „Denkst du ich darf eines Tages, kann ich, werde ich es spielen können, das Tschaikowsky Violinkonzert?“ Weil es ist ja unglaublich virtuos und schwierig. Auch das in München in meiner Heimat machen zu dürfen im Prinzregententheater mit dem wunderbaren Orchester des Gärtnerplatztheaters und Maestro Dubrovsky ist natürlich eine unfassbare Ehre.

MünchenMusik: Was verbindest du mit dem Prinzregententheater?

Andrea Cicalese: Das Prinzregententheater ist ein inspirierendes Theater für mich. Ein großer Teil des Jobs ist es, mit seinem Lehrer zu arbeiten, ein großer Teil des Jobs ist es, zu üben und selbst Inspiration zu finden, aber auch anderen Künstlern zuzuhören. Das habe ich ganz viel im Prinzregententheater gemacht.

MünchenMusik: Was darf das Publikum bei deinem Konzert in Polling erwarten?

Andrea Cicalese: Von Schubert spielen wir die einzige große Violinsonate, die er je komponiert hat. Es ist diese eine Melodie, die jeder, auch wenn er oder sie nicht gehört hat, eigentlich denkt, dass er sie schon immer kennt. Dann gibt es Brahmsʼ monumentale dritte Sonate. Das ist so wie eine Symphonie für Klavier und Geige. Oder ein Klavierkonzert und ein Violinkonzert gleichzeitig. Wirklich symphonische Klänge mit nur zwei Instrumenten. Und die Sonate von César Franck ist wahrscheinlich eines dieser Wunder der Zivilisation. Eine Sonate, die zum Hochzeitstag von Ysaÿe, ein großer Geiger, geschrieben wurde und dort auch uraufgeführt wurde. Wenn ihr noch nie César Frankʼs Sonate gehört habt, dann ist es eigentlich eine unglaubliche emotionale Lücke.

Cicalese Gorini

„Ich bin jemand, der nicht wirklich gerne alleine ist.“

MünchenMusik: Was schätzt du an deinem Klavierpartner Filippo Gorini? 

Andrea Cicalese: Ich kann nicht in Worte ausdrücken, wie sehr ich ihn schätze, wirklich nicht. Es ist mein Traum-Duo-Partner. Außerdem ist er Italiener, das heißt, es ist lustig, mit ihm zu proben. Wir verstehen uns sehr gut. Musik so zu spüren wie Filippo, das ist etwas, was ich noch nie gesehen habe. Mit ihm zu spielen bedeutet für mich, Musik auf meinem persönlichen höchsten Niveau zu machen, wenn nicht noch höher. Weil er inspiriert und er ist ein großer Einfluss von Freude und von Tiefe für mich.

MünchenMusik: Woher nimmst du deine Inspiration?

Andrea Cicalese: Zum Teil von meinem eigenen Leben, weil ich jeden Tag auf die Straße gehe und mich mit Leuten unterhalte. Das erweitert meinen Horizont und so auch mein Verständnis für Musik und für Komponisten. Aber nicht nur das, sondern auch von Aufnahmen zum Beispiel. Immer zu schauen, wie wurde das Werk schon einmal interpretiert. Und natürlich von meinem Lehrer, Josef Rissin.

MünchenMusik: Wie verbringst du deine freie Zeit?

Andrea Cicalese: Ich bin jemand, der nicht wirklich gerne alleine ist. Einfach mal mit Freunden abhängen, quatschen. Hier in München gibt es ein cooles Irish Pub. Es gibt auch eine Karaoke-Bar. Ich finde eigentlich alles lustig. Und ich habe auf Spotify eine Playlist kreiert, die nichts mit klassischer Musik zu tun hat, von Jazz-Standards bis Pop und Rock, von Pink Floyd bis zu Stevie Wonder.

Wann und wo finden die Konzerte statt?

Andrea Cicalese ist 2026 in zwei unterschiedlichen Konzerten zu hören:

Am 9.2.26 findet sein Debüt im Prinzregententheater mit Tschaikowkys Violinkonzert statt. Für weitere Infos klicken Sie hier.

Ein Tag zuvor, am 8.2.26, gestalten Andrea Cicalese und sein langjähriger Klavierpartner Filippo Gorini im Bibliotheksaal Polling einen intimen Kammermusikabend mit Violinsonaten von Schubert, Brahms und Franck. Für weitere Infos klicken Sie hier.

 

In welcher Besetzung finden die Konzerte statt?

Am 9.2.26 im Prinzregententheater stehen neben Andrea Cicalese das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz unter der Leitung von Rubén Dubrovsky auf der Bühne. Weitere Informationen zum Konzert finden Sie hier.

Ein Tag zuvor, am 8.2.26 im Bibliotheksaal Polling, erleben Sie Andrea Cicalese im Duo mit dem Pianisten Filippo Gorini. Weitere Informationen zum Konzert finden Sie hier.

Wie kann ich Tickets kaufen?

Tickets für das Debüt von Andrea Cicalese mit Tschaikowkys Violinkonzert am 9.2.26 im Prinzregententheater kaufen Sie hier.

Tickets für den Kammermusikabend mit Andrea Cicalese und Filippo Gorini am 8.2.26 im Bibliotheksaal Polling kaufen Sie hier.