Clarissa Bevilacqua im Interview
Wir hatten das Vergnügen, die Geigerin Clarissa Bevilacqua in der Isarphilharmonie zu interviewen. Es ging darum, was sie an ihrer Zeit als Teenager vermisst, über ihr Cover eines Songs der Metal-Band „System of a Down“ und um die Frage, wie man heute als junge Künstlerin oder junger Künstler erfolgreich werden kann – all das und mehr gibt’s im Interview zu sehen.
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8 Fragen an Clarissa Bevilacqua:
Was verbindest du mit München?
Das ist wirklich eine schöne Frage. Ich war im März hier, fast fünf Tage lang, und es war eigentlich das erste Mal, dass ich wirklich die Gelegenheit hatte, die Stadt kennenzulernen. Denn früher, als ich in Salzburg gelebt und dort studiert habe, habe ich die Stadt nie wirklich sehen und erleben können. Und ich muss sagen, ich liebe sie sehr, denn hier habe ich mein Debütalbum mit Berlin Classics aufgenommen, das nächstes Jahr erscheint. Wir haben es im alten Gebäude des Bayerischen Rundfunks aufgenommen, das war wunderschön, eines der schönsten Kammermusikstudios. Es war wirklich eine großartige Zeit. Deshalb werde ich immer schöne Erinnerungen an München haben. Und jetzt hier in die Isarphilharmonie zu kommen, denke ich, wird es meine Stadt, meine Lieblingsstadt werden.
Wie viel Zeit hattest du in deiner Jugend neben der Geige?
Ehrlich gesagt, nicht so viel Zeit. Ich war gleichzeitig mit der Schule und der Universität beschäftigt, das war wirklich kompliziert. Aber der Grund, warum ich das so schnell gemacht habe, war, dass ich unbedingt Geigerin werden wollte, Vollzeit-Geigerin. Ich wollte so viel üben, wie es nur ging. Mit etwa 16 habe ich wirklich intensiv geübt, das war mein ganzes Leben. Und ich muss sagen, ich vermisse diese Zeit manchmal, denn natürlich habe ich jetzt vieles von dem, wovon ich damals geträumt habe. Ich habe viele Konzerte, wie dieses hier, die ich mir damals so sehr gewünscht hätte. Aber natürlich habe ich weniger Zeit zum Üben, wegen all der Reisen und all der anderen Arbeit, die zu diesem Beruf, zu dieser Karriere dazugehört. Und so vermisse ich diese Zeit ein wenig, aber denke sehr gern daran zurück.
Was zeichnet dich künstlerisch aus?
Ich denke, Klang ist für mich ein sehr wichtiger Faktor. Ich glaube, heutzutage gibt es eine Tendenz, sehr schnell und sehr laut zu spielen. Und ich habe mich dem eigentlich immer ein wenig entgegengestellt. Für mich ist Musik sehr intim. Ich liebe es, Konzerte zu spielen, die diesen kammermusikalischen Charakter haben. Brahms, obwohl es ein symphonisches Werk ist, denke ich hat diesen Charakter. Und ich glaube, das ist etwas, das mein Spiel charakterisiert. Etwas, das ich wirklich möchte, ist, dass jeder Ton zählt und Bedeutung hat. Und ich hoffe, dass mir das, insbesondere in einem so schönen Saal, gelingen wird.
Du hast einen Song von „System of a Down“ aufgenommen – wie passt das zur Geige?
Nun, ich bin ein großer 70er-, 80er-Rockmusik-Fan. Das ist sozusagen mein „guilty pleasure“, wenn ich auf Tour bin und mit Kopfhörern Musik höre. Aber tatsächlich habe ich dieses Cover mit Giovanni Sollima gemacht, einem visionären Cellisten und Komponisten. Ich hatte jetzt das Privileg, mit ihm zwei, drei Jahre lang gemeinsam zu spielen. Wir haben zusammen eine CD aufgenommen, und eine weitere ist in Planung. Er hat mir unglaublich viel beigebracht, auch in Bezug auf Flexibilität im Spiel, weil ich glaube, dass vielen klassischen Musikstudenten beigebracht wird:„Sei so, spiele so“. Und ich habe dadurch gelernt, auf der Bühne keine Angst zu haben, und wirklich ich selbst zu sein. Und „System of a Down“ war Teil davon.
Wie wird man heute als junger Künstler erfolgreich?
Es gibt viele Leute, die großartige Dinge tun und sehr gut spielen. Und ich glaube, unterschiedliche Dinge funktionieren für unterschiedliche Menschen und auch in unterschiedlichen Märkten. Deutschland ist anders als Großbritannien, ist anders als die USA, ist anders als Asien. Aber eines kann ich sagen, das mir sehr geholfen hat und weiterhin helfen wird, und was denke ich wichtig ist, weil viele Leute Popmusik, Jazz oder was auch immer interpretieren: Ich glaube, man kann das natürlich tun, aber nur, wenn es wirklich zu einem passt, wenn es wirklich authentisch ist, wer man als Künstler ist. Und ich denke, das gilt nicht nur für die Karriere, sondern für das Leben: Das Wichtigste ist für mich, zu wissen, wer man ist, zu wissen, was man will. Manchmal vergessen Künstler – vor allem unter dem Druck, es heutzutage schaffen zu müssen – dass wir nicht alle geboren sind, um Solist zu werden, dass wir nicht alle geboren sind, um enorm erfolgreich zu sein, oder in den Top Ten der Welt zu stehen. Aber ich glaube, es gibt für jede und jeden von uns einen Platz. Und wenn man zu sich selbst steht, findet man ihn.
Wie findest du als Musikerin die richtige Balance zu deinem Beruf?
Die finde ich nicht. Ich weiß nicht, ob andere Künstler darauf eine bessere Antwort haben. Aber ich denke, in dieser Phase meiner Karriere – mit Festivals, und all der Arbeit und Leidenschaft, die in so viele Projekte, Tourneen und Aufführungen fließt – wäre es falsch zu sagen, dass ich im Moment eine perfekte Work-Life-Balance habe. Ich denke, ich will daran arbeiten, aber mein Leben ist gerade meine Arbeit. Ich sehe das nicht negativ. Ich sehe es so, dass ich alles gebe, was ich kann.
Woher nimmst du deine Inspiration?
Ich ziehe viel Inspiration aus Reisen. Ich glaube, das ist definitiv meine zweite Leidenschaft neben der Musik und den Auftritten. Das ist auch ein Grund, warum ich dieses Leben und diesen Lebensstil gewählt habe. Und jede Kultur ist natürlich anders, aber im Kern sind wir uns alle sehr ähnlich. Und ich möchte mit meiner Musik diese Gemeinsamkeiten ausdrücken, die uns verbinden.
Was nimmst du auf Reisen immer mit?
Etwas Pinkes, immer. Meine Kleidung, wie man sieht, tendiert auch zu Pink. Aber am wichtigsten sind meine Kopfhörer, meine Bose-Kopfhörer. Bose, bitte sponsere mich! Vielen Dank!
Clarissa Bevilacqua – Premiere in der Isarphilharmonie
Wir haben Clarissa Bevilacqua über ihren persönlichen Bezug zu Brahms' Violinkonzert befragt. Das berühmte Werk für Geige und Orchester wird sie gemeinsam mit den Münchner Symphonikern am 16.11.25 im Beethovensaal Stuttgart und am 18.11.25 in der Isarphilharmonie in München präsentieren. Außerdem verrät sie, welcher Rat der beste war, den sie je bekommen hat.
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Was ist das Besondere an Brahms’ Violinkonzert?
Es ist der Mount Everest unter den Violinkonzerten. Es ist einfach ein unglaublicher Mix aus einem symphonischen und kammermusikalischen Werk. Alles ist so eng miteinander verbunden und es gibt einfach diese Basis von Musikalität und Schönheit, die man nie verlassen kann, die man nie vergessen kann, selbst in den schwierigsten – und es gibt einige davon – selbst in den schwierigsten Passagen. Ich habe mich mit diesem Stück früher schon auseinandergesetzt, aber das wird natürlich das erste Mal auf einer so großen Bühne und mit einem so großartigen Orchester sein. Ich freue mich einfach sehr darauf. Ich denke, es lässt so viel Raum für Musikalität, und ich glaube, es wird eine wirklich großartige Erfahrung werden.
Was darf das Publikum in München und Stuttgart erwarten?
Nun, hoffentlich eine neue, frische Interpretation. Und es ist auch eine Aufgabe, das Konzert aufmerksam zu verfolgen, denn es dauert fast 45, 50 Minuten, es ist eine Art Epos für sich. Ich denke, wir werden da gemeinsam mit dem Publikum durchgehen, und es wird eine schöne Erfahrung sein, die uns verbindet.
Was war der beste Rat, den du je bekommen hast?
Der beste Ratschlag, den ich je bekommen habe, ist, dass nichts, was wir tun, gefährlich ist. Niemand wird durch unser Handeln verletzt oder leidet darunter. Das Einzige, was passieren kann, ist, dass sie Freude haben und dass man jemandem Glück bringen kann oder Gefühle bei jemandem weckt. Ich finde, das ist eine wunderschöne Sache. Ich denke, dass in einer Welt, in der es so viele Konflikte gibt, und viele Berufe Schaden anrichten, richtet unser Beruf keinen Schaden an. Das ist wunderschön und einer der Gründe, warum ich diesen Beruf liebe, und es ist der beste Ratschlag.
Clarissa Bevilacqua – Solistin bei „Vivaldi immersiv“
Clarissa Bevilacqua erklärt als Solistin des Konzertprojekts „Vivaldis Vier Jahreszeiten – ein immersives Konzert“, warum Vivaldis Meisterwerk so berühmt ist, und was das Erlebnis „Vivaldi immersiv“ so besonders macht.
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Was ist das Besondere an „Vivaldi immersiv“?
Es ist, als würde man einen Film erst auf einem Flachbildschirm sehen, und dann in 3D. Ich finde es einfach cool, ihn nochmal in 3D oder 4D zu sehen. Ich würde das tun und ich denke, ich hoffe, dass sich uns viele Menschen in München und Stuttgart anschließen werden. Ich denke, es wird einfach Spaß machen, etwas zu sehen und zu erleben, das so beliebt ist, auf eine ganz andere Art und Weise.
Warum sind die Vier Jahreszeiten so populär?
Ich denke, es ist definitiv der Barock-Aspekt. Ich finde, Barockmusik ist allgemein sehr zugänglich. In Amerika gibt es einen Mythos, dass Barockmusik beim Lernen hilft. Vivaldi gehört definitiv zu den Komponisten, deren Musik sehr meditativ ist. Aber die Vier Jahreszeiten haben die einzigartige Eigenschaft, dass sie eine Geschichte erzählen. Es basiert auf vier Gedichten, die natürlich von den vier Jahreszeiten handeln Und es ist einfach ein großartiges Beispiel für ein Gedicht in der Musik, das dann von vielen anderen Komponisten nach Vivaldi übernommen wurde, wie Chausson und Tschaikowsky und alle anderen. Es ist eigentlich ziemlich visionär, das in einem barocken Rahmen zu sehen, und Worte in Musik auszudrücken, was Pop-Ikonen heutzutage tun. Und das hatten wir mit Vivaldi ja schon vor dreihundert Jahren. Ich denke, es hat sich bis heute bewährt, denn es ist ein sehr, sehr smartes Stück.
