Arthur und Lucas Jussen: Energie, Präzision und tiefe musikalische Freude 

Ein Gespräch in der Isarphilharmonie – Mai 2025

Wenn Arthur und Lucas Jussen über ihre kommenden Projekte sprechen, spürt man sofort ihre Begeisterung. In der Saison 2025/26 sind die beiden Pianisten gleich zweimal bei MünchenMusik zu erleben – am 23. März 2026 im Prinzregententheater gemeinsam mit den Perkussionisten Alexej Gerassimez und Emil Kuyumcuyan, und am 5. Mai 2026 in der Isarphilharmonie mit der Academy of St Martin in the Fields.

Academy of St Martin in the Fields

Isarphilharmonie (Gasteig HP8)

Schon im Gespräch wird deutlich, wie kontrastreich diese beiden Programme sind. Das Projekt mit Gerassimez und Kuyumcuyan beschreiben die Brüder als ein Kraftfeld aus Rhythmus und Bewegung. Arthur betonte, es sei ein Konzert voller Energie, getragen von zwei herausragenden Kollegen:  „Wir spielen zu zweit am Klavier, um uns herum entsteht ein pulsierendes Schlagzeug-Universum – das ist musikalisch und auch visuell ausgesprochen lebendig.“ Diese dynamische Nähe zur Perkussion hat für die Brüder familiäre Wurzeln, denn ihr Vater ist selbst Schlagzeuger. Vieles, so erzählen sie, hätten sie durch ihn intuitiv verinnerlicht.

Ganz anders das zweite Projekt mit der Academy of St Martin in the Fields, einem Ensemble, zu dem die Brüder bereits seit Jahren eine enge künstlerische Beziehung pflegen. Lucas charakterisiert das Programm als „konservativer“, aber gerade deshalb besonders anspruchsvoll: Mozart, Bach – das ist Musik von größter Transparenz, die höchste Wachheit erfordert. „Bei einem solchen Repertoire“, erklärt Arthur, „ist Kommunikation entscheidend. Ohne Dirigent reagiert jeder ausschließlich auf das, was er hört. Daraus entsteht ein musikalischer Raum, der jedes Mal neu und unverwechselbar ist”.

Zwischen Energie und Nuancen

So unterschiedlich die Programme sind – die Vorbereitung sei im Kern ähnlich, erklären sie. Doch der Klang, die körperliche Präsenz und die innere Haltung unterscheiden sich deutlich. Das Arbeiten mit Schlagzeugern sei „eher wie Sport“, schmunzeln sie, während Bach und Mozart eine feinere, kontrollierte Klangsprache erfordern. Gerade die Academy ermögliche es, Grenzen auszureizen: Die Musikerinnen und Musiker spielen so sicher, dass sie Risiken eingehen können – ein Zustand, den die Brüder als ungeheuer inspirierend beschreiben.

Der innere Kompass: Freude am Spielen

Trotz ihres dichten Konzertkalenders wirken die Jussens bemerkenswert geerdet. Auf die Frage nach Druck reagieren sie mit einer Mischung aus Ernst und Gelassenheit. Wichtig seien weniger äußere Zuschreibungen als der eigene Anspruch, jedes Konzert bestmöglich zu gestalten. Lucas formuliert es so: „Wir sind stolz auf vieles, was wir erreicht haben. Aber wir wissen auch: Man ist nur so gut wie das letzte Konzert.“

Der entscheidende Motor sei jedoch die Freude am Spielen. Arthur betont, wie wichtig es sei, sich an den Ursprung ihrer Leidenschaft zu erinnern:  „Wir haben angefangen, weil wir Musik geliebt haben – wie ein Hobby. Diese Freude wollen wir immer bewahren.“ Auch heute, nach vielen Jahren auf internationalen Bühnen, sei der Moment des Musizierens selbst der Kern ihres Schaffens.

Stilfragen und Auftrittskultur

Dass zur Bühnenpräsenz mehr gehört als die Musik allein, verschweigen die beiden nicht. Die Wahl der Kleidung sei kein Imageprojekt, sondern ein Teil ihrer künstlerischen Identität. Seit vielen Jahren arbeiten sie mit demselben Schneider.  „Ein gut sitzender Anzug gibt uns ein Gefühl von Stärke“, sagt Arthur.  „Wenn wir uns wohl fühlen, spielen wir besser. Wir wollen uns treu bleiben – auch wenn es nicht jedem gefallen muss.“

„Wenn wir auf die Bühne gehen und spielen, dann machen wir nur und denken nicht mehr. Das sind dann wir, so wie wir in diesem Moment sind.“

Ausgewählte Fragen unserer Social-Media-Community

Wir haben über unsere Social-Media-Kanäle die Möglichkeit gegeben, eigene Fragen an Arthur und Lucas Jussen einzusenden. Einige davon konnten wir den Brüdern bei unserem Gespräch stellen – die beiden haben sie mit viel Charme beantwortet. Von der Nervosität vor dem Konzert über ihre enge Beziehung als Brüder bis hin zu unerwarteten Fitnesstipps für FC-Bayern-Star Jamal Musiala  – all das und mehr gibt’s im Interview zu sehen.

youtube

An dieser Stelle wird ein Inhalt eines externen Anbieters wiedergegeben. Dabei werden personenbezogene Daten wie z.B. Ihre IP-Adresse an den Anbieter übermittelt. Der externe Anbieter kann diese auch dazu verwenden, Ihr Nutzungsverhalten mithilfe von Cookies oder anderen Tracking-Technologien zu Marktforschungs- und Marketingzwecken zu analysieren.

Die Übermittlung Ihrer Daten an den externen Anbieter wird so lange verhindert, bis Sie aktiv auf diesen Hinweis klicken. Technisch gesehen wird der Inhalt erst nach dem Klick eingebunden.

Unsere Follower wollten wissen:

Wie schwer ist es, immer zwei Klaviere zu organisieren?

Arthur Jussen: Für uns eigentlich einfach, weil wir brauchen die selber nicht zu arrangieren. Aber es ist schwierig, auch zu proben, wenn man Geige spielt, kann man überall proben, aber wir sind immer abhängig von einem Klavier.

Habt ihr eine Versicherung, falls ihr euch die Hände verletzt?

Lucas Jussen: Nein, wir haben keine Versicherung, falls wir uns die Hände verletzen. Zuerst ist das wirklich sehr teuer,  diese Versicherungen. Wir haben das mal angefragt. Und dafür verdienen wir eigentlich  nicht genug.

Versteht ihr euch immer so gut? Und was ist euer Geheimnis?

Arthur: Ich glaube, es gibt kein Geheimnis. Ich glaube, es gibt Glück im Leben und auch in einer Beziehung. Ich glaube, wir haben nicht entschieden, wir sind gut miteinander. Ich glaube, wir haben Glück, dass wir gut miteinander können. Und natürlich haben wir auch manchmal Streit, wie alle Geschwister glaube ich haben. Aber den größten Teil unseres Lebens sind wir immer sehr gut und sehr froh, dass wir das hier zusammen machen können.

Ist das Fitnessstudio schlecht für eure Klaviertechnik?

Lucas: Ich denke nicht, dass das Fitnessstudio schlecht ist für unsere Technik, aber ich finde doch,  dass es so eine Grenze gibt, wenn man drüber geht.  Auch wie der Körper gebaut ist. Wenn man zu groß ist, ist man  auch weniger flexibel. Wenn man aussieht, wie Arnold Schwarzenegger oder so. Aber ich sehe da sehr viele Ähnlichkeiten zum Fußballsport. Und man sieht bei der Technik,  wie die Fußball spielen, dass das letztendlich gar nicht immer besser ist.

Musiala! Bayern München!  Guck dir den mal an. Der ist federleicht! Der fliegt ja! Schöner Spieler,  wunderschöner Spieler. Bitte, (Jamal) Musiala, nicht noch mehr in den Fitnessraum gehen, das ist perfekt so, bleib so! Nur wenn du gegen Ajax (Amsterdam) spielen musst, gehst du bitte drei Tage davor noch in den Fitnessraum.

Seid ihr vor den Auftritten nervös und wenn ja: Wie geht ihr damit um?

Arthur: Bevor wir auf die Bühne gehen,  sind wir manchmal nervös. Das ist einfach so, und ich glaube,  das ist auch gesund. Man kann das nicht so einfach ausschalten. Aber das einzige, was wir machen können, wo wir Kontrolle drüber haben, ist Vorbereitung. Wir sorgen immer dafür, dass wir wirklich hundert Prozent vorbereitet sind. 

Aber manchmal passiert es auch, dass man hundertzehn Prozent spielt, dann ist man so gut vorbereitet, die Laune gut, die Atmosphäre, und dann übertrifft man sich selber.  Und das ist das Allerschönste. Und dazu muss man auch sagen, dass wir auftreten, und wir lieben es auf die Bühne zu gehen und vor Leuten zu spielen. Letztendlich ist es das, wofür wir das machen. Wir üben sehr, sehr viel – wir sind leider nicht genial. Wir brauchen sehr viel Übung, um gut zu sein.

Welche drei anderen Musiker würdet ihr mit auf eine einsame Insel nehmen?

Lucas: Frank Sinatra, weil er mir auch wie ein  gemütlicher Typ erscheint. 

Arthur: Mit dem kann man auch  ein Paulaner trinken. 

Lucas: Ja, zwei auch.

Arthur: Whitney Houston. Weil sie eine wunderschöne Stimme hat.

Lucas: Udo Jürgens. Schwer unterschätzt, finde ich,  Udo Jürgens. Aber der hat wirklich  so schöne Sachen geschrieben.

Wenn ihr nur ein letztes Stück in eurem Leben spielen könntet, welches Stück wäre das?

Arthur: „Ich würde es wieder tun“  von Udo Jürgens. Kennst du das – „Ich würde es wieder tun“? Muss man sich mal anhören. Super Text, superschön.  Also wahrscheinlich das. Jetzt müsst ihr „Ich würde es wieder tun“ unten einblenden!

Lucas:  🎵 Du da da da da ... 🎵

 

Vielen Dank, Lucas und Arthur!