Tassilo Probst im Gespräch

Über die Faszination von Tschaikowskys Violinkonzert, die Werte seines Herzensvereins FC Bayern, die er auch als Geiger verkörpern möchte, und den besonderen Klang seiner „True Copy“-Stradivari.

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MünchenMusik: Kannst du dich noch an dein Debüt mit Tschaikowskys Violinkonzert 2018 im Herkulessaal erinnern? 

Tassilo Probst: Da kann ich mich noch sehr gut dran erinnern, da sah ich ein bisschen anders aus. Das war das erste große Violinkonzert, das ich bei mir im Repertoire aufgenommen hatte. Ich hatte das auch damals mit allen möglichen Professoren bei Meisterkursen gemacht. In der Jugend ist das noch alles sehr viel „Sturm und Drang“. Man bildet sich ein, mehr machen zu müssen, schneller spielen zu müssen. Mit dem „Alter“ beruhigt sich das dann alles. Man lernt auch, Musik Musik sein zu lassen. Dass man manchmal einfach gar nichts mehr extra noch hinzugeben muss, weil die Musik schon von sich aus ausdrucksstark genug ist. Das jetzt in meiner Heimatstadt wieder spielen zu dürfen, ist natürlich eine große Freude.

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Tassilo Probst (16) spielt Tschaikowskys Violinkonzert im Herkulessaal München

Was macht das Violinkonzert von Tschaikowsky so besonders?

Der erste Satz ist wirklich pompös. Man schwelgt so in den Emotionen. Im zweiten Satz wird es ein bisschen ruhiger, auch mit Dämpfer, so ein bisschen intimer. Im dritten Satz ist es dann so ein reiner russischer Volkstanz. Es bietet einfach unfassbar viel, was man daran gut finden kann. Auch der Zustand, in dem Tschaikowsky war, als er es damals geschrieben hat: eine schwere Depression, ein Nervenzusammenbruch – er hat sich gerade in der Schweiz in Reha erholt davon und hat während dieser Reha dieses Violinkonzert geschrieben. Dann auch die ganzen Komplikationen, die es dann im Weg des Werkes gab: Leopold Auer (Geiger, der für die Uraufführung vorgesehen war), der gesagt hat: „Nein, das Werk ist unspielbar.“ Dann wurde es uraufgeführt (mit dem Geiger Adolf Brodsky). Einer der Kritiker hat gesagt: „Das ist eines der Beispiele dafür, dass man Musik stinken hören kann.“ Ich meine, heutzutage, lieben wir es einfach. Die Musik ist wie Hollywood, und es macht mindestens genauso viel Spaß, sie zu spielen, wie zuzuhören.

Tassilo-Probst-und-Daniel-Hope
Tassilo Probst (links) mit Daniel Hope (rechts) © Silvana Hope

Daniel Hope hat dich als „herausragenden Musiker mit starkem Willen und einzigartigem Klang“ beschrieben – was bedeutet dir dieses Lob?

Ein Lob, was sich nicht nur aufs Geigen bezieht, sondern auch noch sondern auch auf die Persönlichkeit, bedeutet mir wirklich viel. Er ist ja auch nicht nur ein fantastischer Geiger, sondern auch noch ein wirklich super netter Mensch, mit dem man einfach gerne Zeit verbringt. Das ist einfach was Besonderes, so jemanden als Mentorfigur in seiner Karriere zu haben. 

Was hast du von Daniel Hope gelernt?

Wie man die Ruhe in der Musik findet, und dass man eben nicht immer nur pushen, pushen, pushen, sondern sich auch mal zurücklehnen kann, die Musik genießen kann auf der Bühne.

Als FC-Bayern-Fan: Welche Werte des Clubs inspirieren dich auch als Geiger?

Zwei Sachen: „Mia san mia.“ und „Weiter, immer weiter.“ Dieses „Mia san mia“, einfach sich selbst treu bleiben, nicht irgendwie aufgesetzt werden, sondern einfach immer natürlich bleiben. Und „Weiter, immer weiter“ – egal was kommt, egal ob negativ oder positiv – gerade bei uns als Musiker, man ist nie fertig mit seiner musikalischen Reise. Es gibt immer wieder neue Sachen, die man lernen kann, von denen man sich neu inspirieren lassen kann.

„Ich bin hoffnungsloser Romantiker, auch Abseits der Geige.“ – Tassilo Probst

Warum heißen deine Alben „Into Madness“ und „Another Dawn“?

„Into Madness“ ist tatsächlich einfach der Weg von dieser ersten CD, die wir aufgenommen haben im Bayerischen Rundfunk damals. Wir haben ja begonnen mit der Bartók-Sonate, e-moll, Opus postumum. Das geht noch so ein bisschen in die Strauss-Richtung, sehr romantisch. Der dritte Satz ist schon ein bisschen so ungarische Volksmusik. Das zweite Werk der CD war Enescus Dritte Sonate, reine rumänische Volksmusik, wirklich hochintensiv, hochvirtuos, verrückter als Bartók auf jeden Fall. Und der Höhepunkt der CD war dann diese Sonate von Joseph Achron, in der Weltersteinspielung, komplett von allen guten Geistern verlassen. Und deswegen war das der Höhepunkt der Verrücktheit. Deswegen haben wir die CD „Into Madness“ genannt. Und „Another Dawn“, übersetzt „ein weiterer Sonnenaufgang“, „ein Neuanfang“ quasi. Das hat auch ein bisschen die Geschichte der CD erzählt, denn sowohl Josef Achron als auch Erich Wolfgang Korngold sind ja in der Zeit des Nationalsozialismus aus Europa nach Amerika ausgewandert, um dort einen Neuanfang als Filmkomponisten zu planen. Das erste Thema des ersten Satzes ist aus dem Film „Another Dawn“ übernommen. Deswegen dachten wir uns: „‚Another Dawn‘ – eigentlich der perfekte Titel dafür.“

CD-Cover „Into Madness“
CD-Cover „Into Madness“

Was schätzt du an der Isarphilharmonie?

Die Isarphilharmonie ist ein fantastischen Saal, gute Akustik, es macht jedes Mal Spaß dort zu spielen. Auch das Gefühl, wenn man vom Backstage auf die Bühne reingeht und es sind einfach fast 2000 Leute. Ich freue mich schon wirklich sehr darauf, das am 10.11. zu erleben.

Florian Leonhard (links) mit Tassilo Probst (rechts) | Quelle: Tassilo Probst
Florian Leonhard (links) mit Tassilo Probst (rechts) © Tassilo Probst

Auf welchem Instrument spielst du gerade?

Ich habe einerseits hier diese Giovanni Battista Guadagnini von 1776. Die hat den wunderschönen Namen „Salabue, Castelbarco“. Ein fantastisches Instrument, hat tolle Klangfarben, einen schönen tiefen, breiten Bass und hat trotzdem oben diese notwendige Klarheit, die es einfach braucht. Auf der anderen Seite habe ich auch noch eine wunderschöne moderne Geige, die ich jetzt schon seit dreieinhalb Jahren ungefähr spiele, von Florian Leonhard aus London, eine True Copy der 1724er „Abergavenny“ Stradivari. Dieses Instrument hat mir so ein bisschen die Augen geöffnet. Ich hatte ein Blindtasting gemacht in London. Da lagen dann wirklich alle möglichen namhaften Instrumente auf dem Klavier. Ich habe mich durch alle Geigen durchprobiert. Dann hatte ich irgendwann diese „True Copy“ in der Hand und ich dachte mir: „Wow, was ist das?“ Ich hatte reingeschaut, es stand da „Stradivari“. Ich dachte mir so: „Okay, selbstredend“. Dann bin ich irgendwann zu Tom, der Head of Sales von Florian Leonhard gegangen. Ich habe ihn gefragt: „Tom, was ist das für eine Geige? Kann ich mir die ausleihen?“ Er hat angefangen zu lachen, weil er wusste schon genau, was war. Er hat mir dann erklärt: „Das ist eigentlich eine Geige, die ist 2022 fertiggestellt worden.“ Und hat mir ein bisschen erklärt, was da so im Hintergrund von diesen Instrumenten abläuft, wie die gemacht werden, was da für eine Technik mittlerweile dahintersteckt und auch was für ein Know-how dabei ist. Die Strad-Kopie ist schon noch mal ein bisschen mehr „in your face“, macht auch wirklich viel Spaß zu spielen, muss ich sagen. Ist auch super einfach zu spielen. Bei der hier (Guadagnini) muss man ein bisschen mehr arbeiten. Was wir am 10.11. hören, das entscheide ich wahrscheinlich am 9.11.

Danke, Tassilo, wir freuen uns auf dein Konzert!

Wann und wo findet das Konzert statt?

Das Konzert der Münchner Symphoniker mit Tassilo Probst findet am Dienstag, 10. November 2026 in der Isarphilharmonie (Gasteig HP8) in München statt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Was steht auf dem Programm?

Nach Tschaikowskys Ouvertüre in F-Dur folgt Tschaikowskys berühmtes Violinkonzert. Nach der Pause erklingt Dvořáks lyrisch-heitere 8. Symphonie.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Wie kann man Tickets kaufen?

Tickets erhalten Sie direkt auf der Website von MünchenMusik. Für besondere Anliegen erreichen Sie uns auch telefonisch unter 089/936093

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