Veronika Eberle über Heimat, Klang und Gänsehautmomente
Ein besonderes Matinee-Konzert im Prinzregententheater
Wenn Veronika Eberle über München spricht, spürt man sofort ihre tiefe Verbundenheit. Am 26. Oktober 2025 ist die Geigerin bei einer Matinee im Prinzregententheater zu erleben – mit einem Programm, das Herz und Haltung vereint: Hartmanns „Concerto funebre“ trifft auf meditative Werke von Ravel und Massenet. Eine Hommage an die Musik, Menschlichkeit und die Kraft des Augenblicks.
Ein Konzert voller Nähe, Haltung und Dankbarkeit
„Ich fühle mich hier wie zu Hause, es ist eigentlich meine Heimat“, erzählt Veronika Eberle. „Mein musikalischer Werdegang ist hier gestartet, und gerade durch die Musik habe ich die Verbindung in die Stadt gefunden.“
München sei für sie ein Ort voller Inspiration: „Die Stadt hat eine wahnsinnig schöne Ausstrahlung, ist reich an Kultur und Musik – und liegt in einer extrem schönen Umgebung. Es ist großartig, zurückzukommen.“
Auch ihre Studienzeit bleibt unvergessen: „Ich liebe es heute noch, an der Musikhochschule vorbeizuschlendern, wo ich mein ganzes Studium bei Ana Chumachenco absolviert habe.“
Ein Saal mit Seele: Das Prinzregententheater
Für Eberle ist das Prinzregententheater ein Ort mit besonderer Atmosphäre: „Der Klang dort ist immer wunderschön, und es fühlt sich sehr intim an. Obwohl es ein großer Saal ist, kann man das Publikum ganz nah zu sich herholen – das finde ich so reizvoll.“ Das Prinzregententheater wurde zwischen 1900 und 1901 vom Architekten Max Littmann erbaut – inspiriert vom Bayreuther Festspielhaus. Es liegt im Stadtteil Bogenhausen und besticht durch seine amphitheatralische Architektur mit idealer Akustik, hervorragender Sicht von allen Plätzen und einem versenkbaren Orchestergraben. Der Zuschauerraum bietet Platz für über 1.000 Gäste.
„Es ist ein ganz besonderer Ort – geschichtsträchtig und lebendig zugleich“, sagt Eberle. „Vielleicht ist es sogar mein Lieblingssaal.“
Ein Programm mit Haltung: Musik als moralische Stimme
Im Mittelpunkt ihres Konzerts steht Karl Amadeus Hartmanns „Concerto funebre“ – ein Werk, das sie zutiefst bewegt. „Hartmann komponierte es 1939, als die Deutschen das Sudetenland annektierten. Er wollte mit den Nationalsozialisten nichts zu tun haben und fand in der Musik ein Sprachrohr, um Haltung zu zeigen.“ Hartmanns Werk, ursprünglich unter dem Titel Musik der Trauer entstanden, wurde 1959 überarbeitet und trägt seither den Namen „Concerto funebre“. Es ist in vier Sätze gegliedert, die ohne Pause ineinander übergehen – mit einem eindrücklichen Finale: einem Choral, der das russische Revolutionslied „Unsterbliche Opfer“ zitiert. „Das Finale endet in einem Choral, bei dem ich jedes Mal Gänsehaut bekomme“, sagt Eberle. Mit einer Dauer von rund 20 Minuten ist das Werk ein kompaktes, aber emotional aufgeladenes Zeugnis innerer Zerrissenheit – eine musikalische Mahnung und Hoffnung zugleich.
Eberle beschreibt das Werk als „persönliches wie politisches Bekenntnis“: „Die Violine ist hier eine einsame Stimme – fast wie ein Mensch, der sich gegen Grenzen und Bedrohung erhebt. Musik wird hier zu einer moralischen Stimme – und das ist heute genauso aktuell wie damals.“
Umrahmt wird Hartmanns Konzert von zwei meditativen Werken: Maurice Ravels „Kaddisch“, das erste Stück aus seinen Deux Mélodies Hébraïques (1914), ist eine musikalische Gebetsform, inspiriert vom aramäischen Totengebet der jüdischen Liturgie. Ravel verleiht dem Werk eine schlichte, rezitativische Linie voller Demut und innerer Einkehr. „Ein musikalisches Gebet voller Hoffnung auf Frieden und Erlösung“, so Eberle.
Jules Massenets berühmte „Méditation“ aus der Oper Thaïs (1894) ist ein „Gebet ohne Worte“, wie Eberle schwärmt: „Ich liebe dieses Stück sehr – es ist zart, suchend und voller Emotion. Ich habe es auch zur Taufe meines Sohnes gespielt.“
Die Ries-Stradivari von 1693
Heute spielt Eberle auf der legendären Ries-Stradivari (1693), bereitgestellt von der Wirth-Stiftung. „Sie hat einen unglaublich samtigen, warmen, tiefen Klang und kann in den Höhen himmlische Töne erreichen. Sie ist wirklich ein Teil von mir.“
Gemeinsam mit großen Dirigenten
Eberle musiziert regelmäßig mit Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Andris Nelsons oder Kirill Petrenko. „Musik öffnet Räume und Tiefen, die man mit Worten viel später erst erreicht. Ich glaube, das ist das Geheimnis dieser Verbindung.“ Über Sir Simon Rattle sagt sie: „Er ist ein großer Mentor für mich. Ich habe ihn schon mit 14 kennengelernt. Er hat mich begleitet, mir Zeit geschenkt – daraus ist eine enge, wunderschöne Verbindung entstanden.“
Inspiration und kleine Glücksmomente
„Meine Inspiration nehme ich aus dem Leben – von meinem Sohn, von der Natur, von Büchern.“
Ihr fünfjähriger Sohn begleitet sie inzwischen zu Konzerten: „Er hört zu, kommentiert – manchmal ‚langweilig‘, manchmal ‚toll‘. Ich merke, wie sein Interesse wächst.“ Wenn sie nicht musiziert, kocht sie gern („Kochen ist mein heimliches Talent“) oder liest. Der beste Rat, den sie je bekommen hat? „Run slowly“, von Sir Simon Rattle – eine Erinnerung daran, sich Zeit zu nehmen und den Moment zu genießen.
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Wann findet das Konzert mit Veronika Eberle statt?
Das Matinee-Konzert mit Veronika Eberle findet am Sonntag, 26. Oktober 2025, um 11 Uhr statt.
Wo findet das Konzert statt?
Die Matinee wird im traditionsreichen Prinzregententheater München aufgeführt – erbaut 1901 von Max Littmann, mit über 1.000 Sitzplätzen, hervorragender Akustik und einer Geschichte als Ersatzspielstätte der Bayerischen Staatsoper.
Was steht auf dem Programm?
Veronika Eberle spielt gemeinsam mit dem Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks ein besonderes Programm:
- Karl Amadeus Hartmann: Concerto funebre (1939, rev. 1959)
- Maurice Ravel: Kaddisch aus Deux Mélodies Hébraïques (1914)
- Jules Massenet: Méditation aus Thaïs (1894)